Relaunch-Tag: was wirklich auf die Checkliste gehört
Der Relaunch-Tag ist kein klassischer Projekttag. In wenigen Stunden passiert mehr, als sich nachträglich gut reparieren lässt. Wer hier mit einer ungeprüften Liste arbeitet, merkt Fehler oft erst, wenn Anfragen ausbleiben oder Rankings unruhig werden.
Eine ehrliche Mindest-Checkliste ist deshalb kein Bürokratie-Werkzeug, sondern ein Schutz für die Wochen nach dem Wechsel.
Was vor dem Tag schon stehen muss
Der Launch-Tag selbst ist nicht der Moment, an dem grundlegende Entscheidungen fallen. Was an diesem Tag passiert, ist Ausführung. Inhalte, URL-Struktur, Redirect-Strategie, Tracking-Konzept und Performance-Setup sollten vorher abgeschlossen sein.
Wenn am Launch-Tag noch grundsätzliche Fragen offen sind, läuft etwas nicht rund. Dann lohnt es sich eher, den Termin zu verschieben, als unter Druck zu starten.
Backups und Rollback-Pfad
Bevor irgendetwas an der Live-Umgebung passiert, gehört ein vollständiges Backup der alten Version an einen sicheren Ort. Datenbank, Mediendateien, Konfigurationen, alles.
Genauso wichtig ist ein klar definierter Rollback-Pfad. Wer kann im Notfall wann zurück, und mit welcher Konsequenz? Das ist kein Pessimismus, sondern Handwerk. Selbst gut vorbereitete Relaunches stossen auf Überraschungen.
DNS, SSL und Domains sauber umlegen
Der eigentliche Wechsel passiert oft über DNS. Drei Dinge gehören dabei in jede Liste:
- TTL der DNS-Einträge rechtzeitig vorher senken, damit Änderungen schnell greifen
- SSL-Zertifikat für die neue Umgebung vorab gültig und installiert
- alle relevanten Subdomains und Mail-Records bewusst geprüft, nicht überschrieben
Ein Klassiker ist der versehentlich gekippte MX-Record. Die Website läuft, aber die Firma verliert E-Mails, ohne dass es sofort auffällt.
Redirects scharfschalten
Redirects sind der Punkt, an dem sich Sichtbarkeit am Launch-Tag stabilisiert oder verflüchtigt. Eine sauber vorbereitete Liste alter URLs sollte 1:1 oder sinnvoll gebündelt auf die neuen Adressen zeigen.
Wichtig ist, die Redirects vor der Umstellung in einer Staging-Umgebung zu testen, nicht erst live. Wer das Thema vertiefen will, findet im Beitrag zur Redirect-Strategie beim Relaunch eine ruhige Einordnung.
Indexierung gezielt freigeben
Während der Entwicklung steht eine neue Seite oft auf noindex oder ist per robots.txt gesperrt. Diese Schalter müssen am Launch-Tag bewusst geöffnet werden, sonst startet die neue Seite unsichtbar.
Genauso falsch ist der umgekehrte Fall: eine Stagingversion, die versehentlich live indexiert wird, weil eine Konfiguration nicht zurückgesetzt wurde. Beides passiert in der Praxis öfter, als es sein müsste.
Tracking, Consent und Formulare prüfen
Direkt nach dem Wechsel gehört ein kurzer, harter Test der wichtigsten Conversion-Pfade in die Liste:
- werden Formulare empfangen und landen Leads im richtigen Postfach
- feuern Tracking-Events korrekt
- greift der Consent-Banner sauber, ohne kritische Inhalte zu blockieren
- funktionieren Terminbuchung, Newsletter-Anmeldung und Downloads
Ein einziges defektes Kontaktformular kann mehrere Tage Stille erzeugen, ohne dass es technisch wie ein Fehler aussieht.
Sichtbarkeit, Performance und Crawling beobachten
In den ersten Stunden nach dem Launch lohnt ein ruhiger, systematischer Blick. Search Console und Sitemap aktualisieren, Core Web Vitals messen, Logfiles oder Analytics auf Status-Codes hin prüfen.
Was du hier siehst, ist nicht das endgültige Bild. Sichtbarkeit braucht Wochen, um sich zu konsolidieren. Aber harte Fehler wie 404er auf wichtigen Seiten, falsch gesetzte Canonicals oder gebrochene Sitemaps fallen in den ersten 24 bis 48 Stunden auf.
Was nach dem Launch in den Plan gehört
Der Launch-Tag endet nicht mit dem Wechsel. In den Wochen danach geht es um ruhige Beobachtung, kleine Korrekturen und das Schliessen offener Punkte. Wer das Thema weiterdenken will, findet in Was nach dem Website-Launch oft vergessen wird eine gute Anschluss-Lektüre.
Pragmatische Empfehlung
Der Relaunch-Tag braucht keine 200 Punkte umfassende Liste. Er braucht eine kurze, ehrliche Checkliste, die genau die wenigen Schritte adressiert, die nachträglich teuer werden, wenn sie schiefgehen. Backup, DNS, Redirects, Indexierung, Tracking, Sichtbarkeit. Wer diese Punkte konsequent abarbeitet, hat den grössten Hebel bereits in der Hand.
Der Rest ist Ruhe und Beobachtung. Genau das macht den Unterschied zwischen einem Relaunch, der durchläuft, und einem, der wochenlang nachhallt.